Olivenbaum schneiden – Wann, wie oft und wie viel?

Olivenbaum schneiden – Wann, wie oft und wie viel?

Olivenbaum schneiden – Wann, wie oft und wie viel?

Ich werde oft gefragt ob man Olivenbäume überhaupt schneiden muss. Die ehrliche Antwort: Nein, müssen sie nicht. Ein Olivenbaum wächst auch ohne deinen Eingriff – nur halt in alle Richtungen gleichzeitig, irgendwann mit so einem dichten Kronendach dass kaum noch Luft durchkommt, und im Kübel wird er mit den Jahren so unhandlich, dass er bei jedem stärkeren Wind umkippt. Wer das will, muss nicht schneiden. Allen anderen reicht einmal im Jahr eine Viertelstunde.

Warum ich trotzdem zur Schere greife

Bei mir zuhause stehen drei Olivenbäume auf der Terrasse, einer davon seit neun Jahren. Den ersten drei Jahre habe ich ihn komplett in Ruhe gelassen – aus einem Buch irgendwo gelesen, dass Olivenbäume das so bevorzugen. Resultat: ein dichtes, undurchlüftetes Knäuel in dem irgendwann ein Pilz angefangen hat zu arbeiten. Seitdem schneide ich jedes Frühjahr, und der Baum dankt es mit einer schöneren Krone und tatsächlich mehr Oliven.

Was ein gezielter Schnitt bringt: Luft in die Krone – das ist der wichtigste Punkt, weil dichte Kronen feuchtes Mikroklima erzeugen das Pilzen gefällt. Mehr Licht bis in die inneren Äste, was die Blüten- und später Olivenbildung fördert. Und für Kübelpflanzen: eine kompakte Form die stabil steht.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Frühjahr, nach dem letzten Frost. In Deutschland je nach Region Ende März bis Ende April. Zu diesem Zeitpunkt treibt der Baum gerade an – frische Schnitte heilen dann am schnellsten, und man sieht noch gut welches Holz den Winter nicht überstanden hat.

Im Frühsommer (Juni) ist ein leichter Formschnitt noch möglich, wenn man im Frühjahr was verpasst hat. Herbst lasse ich aus – frische Schnittstellen vor dem Winter erhöhen die Frostempfindlichkeit, das ist ein Risiko das ich nicht eingehe. Im Winter gar nichts, der Baum schläft.

Was ich jederzeit mache, egal zu welcher Jahreszeit: totes, krankes oder gebrochenes Holz rausnehmen. Das schadet nie.

Wie viel auf einmal?

Die Faustregel lautet: nicht mehr als ein Drittel der Krone in einer Saison. Olivenbäume sind erstaunlich regenerationsfähig – ich habe alte Exemplare gesehen, die bis auf den Stamm zurückgeschnitten wurden und trotzdem wieder ausgetrieben sind. Aber wer die Hälfte wegnimmt, schwächt den Baum für eine ganze Saison und verzögert die Fruchtbildung um ein bis zwei Jahre. Lieber zwei leichtere Eingriffe in aufeinanderfolgenden Jahren als einen radikalen.

Im Kübel schneide ich einmal jährlich leicht. Meinen Freilandbaum im Garten habe ich zuletzt vor zwei Jahren angepackt – der braucht das einfach seltener.

Was genau weg muss

Ich arbeite immer in derselben Reihenfolge, das hilft den Überblick zu behalten.

Zuerst alles Tote und Kranke – das ist das Einfachste und macht sofort einen Unterschied. Dann schaue ich nach Kreuzästen, also wo sich Äste gegenseitig scheuern. Reibung erzeugt Wunden, Wunden sind Eintrittspforten für Pilze – der schwächere von beiden kommt weg. Danach alle Triebe die zur Kronenmitte wachsen statt nach außen. Und schließlich die sogenannten Wasserreiser – die senkrechten, kräftigen Triebe direkt am Stamm die Energie fressen ohne jemals Oliven zu tragen.

Was ich stehen lasse: junge Triebe mit Blütenknospen. Die Oliven wachsen an einjährigem Holz. Wer das wegschneidet, hat im Herbst nichts zu ernten – das habe ich in meinem ersten Jahr einmal selbst ausprobiert, unfreiwillig.

Werkzeug – bitte scharf

Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Ich sehe regelmäßig Leute die mit stumpfen Gartenscheren arbeiten und sich wundern warum die Schnittstellen so schlecht heilen. Gequetschtes Holz lädt Pilze ein. Eine scharfe Schere macht einen sauberen Schnitt – das ist der entscheidende Unterschied.

Für dünne Äste bis 2 cm: Handschere. Für dickere: Loppers oder Baumsäge. Vorher kurz mit Alkohol desinfizieren, besonders wenn ich zwischen verschiedenen Pflanzen wechsle. Bei Schnittstellen über zwei bis drei Zentimeter Durchmesser verwende ich ein Wundverschlussmittel – das ist nicht zwingend nötig, gibt mir aber ein gutes Gefühl.

Frisch gekauft – sofort schneiden?

Nein. Ich sage meinen Kunden immer: Lass dem Baum mindestens eine Saison zum Einwurzeln. Er hat gerade einen Standortwechsel hinter sich und braucht seine Energie fürs Anwachsen, nicht für die Wundheilung. Offensichtlich totes Holz oder sich scheuernde Äste kann man sofort entfernen, das stresst den Baum kaum. Aber den großen Formschnitt – den spare ich bis zum nächsten Frühjahr auf.

Noch keinen Olivenbaum? Unser Bestseller ist der Olea europaea ‘Lorc’ – in Größen von 160 bis 220 cm. Alle Olivenbäume findest du in der Olivenbaum-Collection.

Passend dazu: Olivenbaum überwintern – So schützst du deinen Olivenbaum richtig →

Häufige Fragen

Wann ist der beste Zeitpunkt, den Olivenbaum zu schneiden?

Frühjahr nach dem letzten Frost – Ende März bis Ende April je nach Region. Der Baum treibt gerade an, Wunden heilen schnell. Das ist mein fester Termin, jedes Jahr.

Wie viel darf ich auf einmal wegnehmen?

Maximal ein Drittel der Krone. Mehr schwächt den Baum für eine ganze Saison und kostet ein bis zwei Jahre Fruchtbildung. Lieber zwei leichte Eingriffe als einen radikalen.

Kann ich im Herbst schneiden?

Ich persönlich nicht – frische Schnittstellen vor dem Winter erhöhen die Frostempfindlichkeit. Totes oder krankes Holz kann jederzeit raus, das ist immer in Ordnung.

Mein Olivenbaum treibt nach dem Schnitt nicht aus – was tun?

Abwarten. Nach einem kräftigen Schnitt kann es vier bis acht Wochen dauern. Kratzertest: Fingernagel in die Rinde ritzen. Grünes, feuchtes Holz darunter – lebt. Braun und trocken – abgestorben. Ich habe schon Olivenbäume gesehen die sich noch nach zehn Wochen erholt haben.

Treiben Olivenbäume auch aus altem Holz wieder aus?

Ja – das ist eine ihrer bemerkenswertesten Eigenschaften. Selbst nach sehr radikalen Eingriffen kommt meist noch neues Leben. Das macht den Olivenbaum zu einer der verzeihendsten Pflanzen, mit denen ich je gearbeitet habe.

Einen Kommentar hinterlassen

Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.