Kurz gesagt: Eine Monstera vermehrst du über Kopfstecklinge mit mindestens einem Knoten (Nodus) und idealerweise einer Luftwurzel. Unterhalb des Knotens schneiden, ins Wasserglas stellen, alle 3–5 Tage Wasser wechseln – nach 2–6 Wochen zeigen sich Wurzeln, ab 3–5 cm Länge wird eingetopft. Beste Zeit: Frühjahr bis Hochsommer – also genau jetzt.
Eine Monstera zu vermehren ist eines der befriedigendsten Dinge die du mit einer Zimmerpflanze machen kannst. Du nimmst einen Ast ab, stellst ihn ins Wasser, wartest ein paar Wochen – und plötzlich hast du eine neue Pflanze. Kostenlos, aus einer Pflanze die du eh schon hast. Ich habe schon Leute gesehen die daraus eine echte Leidenschaft entwickelt haben. Das Grundprinzip ist simpel, aber ein paar Dinge muss man wissen damit es zuverlässig klappt.
Ableger oder Steckling – ist das dasselbe?
Die Begriffe werden oft synonym verwendet. Ein Monstera Ableger ist im Grunde ein bewurzelter Trieb, den du von der Mutterpflanze trennst und zu einer eigenständigen Pflanze heranziehst. Ein Steckling ist der frisch geschnittene Trieb, bevor er Wurzeln gebildet hat – also die Vorstufe. In diesem Ratgeber zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du aus einem Steckling einen kräftigen Monstera Ableger machst – im Wasser, in Erde oder per Luftabmoosen.
Der richtige Zeitpunkt
Frühjahr bis Frühsommer ist ideal – zwischen März und Juni. Die Pflanze ist im Wachstumsmodus, die Temperaturen steigen, und Stecklinge bewurzeln sich deutlich schneller als im Herbst oder Winter. Im Winter funktioniert es auch, aber dann braucht man wirklich Geduld.
Und wichtig: Nimm den Steckling von einer Pflanze die fit ist. Eine Monstera mit gelben Blättern, frisch umgetopft oder gerade von Schädlingen befallen – die braucht ihre Energie gerade für sich selbst.
Noch ein Praxis-Hinweis, bevor du zur Schere greifst: Der Pflanzensaft enthält reizende Calciumoxalate – dieselben, wegen derer die Monstera für Katzen kritisch ist. Beim Schneiden also Handschuhe tragen und Stecklinge außerhalb der Katzen-Reichweite bewurzeln.
Methode 1: Im Wasser bewurzeln
Das ist die Methode die ich als erstes empfehle, weil du den Fortschritt sehen kannst. Kein Rätselraten ob sich schon was tut – die Wurzeln wachsen direkt vor deinen Augen, und du weißt genau wann der Steckling bereit ist für die Erde.
- Steckling schneiden: Einen gesunden Trieb abschneiden, der mindestens einen Blattknoten (Nodus) hat – das ist die Verdickung am Stängel, aus der Blätter und Wurzeln wachsen. Idealerweise ist dort bereits eine Luftwurzel. Schnitt direkt unterhalb des Knotens.
- Unterste Blätter entfernen: Alles was ins Wasser tauchen würde kommt weg, sonst fault es. Ein oder zwei Blätter oben dranlassen.
- Ins Glas: Zimmerwarmes, kalkarmes Wasser. Nur der Knoten und die Luftwurzel sollen im Wasser sein, nicht das Blatt.
- Heller Standort: Kein direktes Sonnenlicht aufs Glas. 22 bis 25 °C sind ideal.
- Wasser wechseln: Alle drei bis fünf Tage frisches Wasser – sonst fängt es an zu stinken und die Wurzeln leiden.
- Warten: Nach zwei bis sechs Wochen sind die Wurzeln 3 bis 5 cm lang – dann geht’s in die Erde.
Kleiner Tipp den ich irgendwann aufgeschnappt habe: Ein dunkles oder bernsteinfarbenes Glas verlangsamt Algenbildung und hält das Wasser länger sauber. Funktioniert wirklich. Und wer die Kinderstube gleich hübsch auf der Fensterbank inszenieren will: Unser Stecklingsständer mit Glasvasen ist genau dafür gemacht – halb Anzuchtstation, halb Deko.
Methode 2: Direkt in Erde
Wer den Zwischenschritt im Wasser überspringen will, kann den Steckling direkt in Erde setzen. Die Wurzeln passen sich von Anfang an ans Substrat an – kein späteres Umpflanzen nötig. Dafür sieht man nicht was passiert und muss einfach vertrauen.
Kleinen Topf (8 bis 10 cm) mit lockerer Erde füllen (Blumenerde gemischt mit Perlite), Steckling einsetzen, leicht andrücken, Erde anfeuchten – nicht durchnässen. Eine Plastiktüte locker drübergehängt erhöht die Luftfeuchtigkeit und beschleunigt die Bewurzelung. Täglich kurz lüften, damit kein Schimmel entsteht.
Methode 3: Luftabmoosen
Das ist die aufwändigste Methode – aber auch die sicherste für größere Exemplare. Ideal wenn du einen Ast abnehmen willst, der schon weit oben sitzt.
Du ritzt die Rinde an der gewünschten Stelle leicht an, wickelst feuchtes Sphagnum-Moos drum und fixierst es mit Frischhaltefolie. Das Moos alle paar Tage befeuchten. Nach vier bis acht Wochen wachsen die Wurzeln durch die Folie – dann erst den Ast abschneiden und einpflanzen. So kommt der Steckling bereits mit eigenen Wurzeln an – keine Wartephase im Glas.
Das eine was du wirklich brauchst: den Nodus
Ohne Nodus passiert gar nichts. Ein Blatt im Wasser sieht schön aus, aber es bildet keine Wurzeln und stirbt irgendwann ab. Der Nodus ist die kleine Verdickung am Stängel – von dort wächst alles. Ich sehe immer wieder Leute die enttäuscht sind weil ihr Steckling nichts tut – und wenn ich mir ihn anschaue, ist kein Nodus dabei. Das ist der häufigste Fehler.
Eine Luftwurzel am Steckling beschleunigt die Sache erheblich, ist aber kein Muss. Werkzeug vorher mit Alkohol abwischen – klingt pingelig, macht aber einen Unterschied. Saubere Schnittstellen heilen besser und faulen seltener.
Was wenn's nicht klappt
Steckling fault im Wasser: Wasser zu selten gewechselt, oder zu viel Licht aufs Glas. Fauliges Ende abschneiden, frischen Schnitt machen, saubereres Gefäß nehmen.
Keine Wurzeln nach vier Wochen: Meistens zu kühl oder zu dunkel. Unter 18 °C passiert wenig. Wärmerer Standort, mehr Licht – und nochmal zwei Wochen warten.
Steckling hängt schlapp: Normal in den ersten Tagen. Er hat gerade keinen Wasserzugang und braucht etwas um sich zu erholen. Wenn er nach einer Woche noch immer schlaff ist, Schnittstelle überprüfen.
Was nach der Bewurzelung
Wurzeln 3 bis 5 cm lang? Ab in die Erde. Lockere Mischung aus Blumenerde und Perlite, kleiner Topf, erste Wochen leicht feucht halten. Wer Staunässe sicher vermeiden will, mischt etwas Vulcastrat unter die Erde – das mineralische Lavasubstrat verbessert die Drainage und schützt die jungen Wurzeln vor Fäulnis. Keinen Dünger im ersten Monat – die junge Pflanze ist noch im Stress. Erst nach vier bis sechs Wochen, wenn sie sichtbar austreibt, anfangen.
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Häufige Fragen
Was ist ein Monstera Ableger – und wie mache ich einen?
Ein Monstera Ableger ist ein Trieb mit mindestens einem Nodus, den du abschneidest, im Wasser oder in Erde bewurzelst und dann als eigene Pflanze weiterziehst. Am einfachsten gelingt das im Frühjahr: gesunden Trieb unterhalb eines Knotens abschneiden, ins Wasser stellen und nach zwei bis sechs Wochen in Erde umsetzen.
Kann ich eine Monstera aus einem einzelnen Blatt vermehren?
Nein – ein Blatt ohne Nodus bildet keine Wurzeln. Es sieht im Glas eine Weile schön aus, aber irgendwann stirbt es ab. Du brauchst immer einen Stängelabschnitt mit mindestens einem Blattknoten.
Wie lange dauert die Bewurzelung?
Im Wasser bei 22 bis 25 °C und hellem Standort: zwei bis sechs Wochen. Im Winter oder bei kühleren Temperaturen deutlich länger. Nicht aufgeben bevor wirklich gar nichts passiert.
Wann geht der Steckling in die Erde?
Wenn die Wurzeln mindestens 3 bis 5 cm lang sind. Früher ist das Risiko zu groß. Erster Monat: kein Dünger, leicht feucht halten, heller Standort.
Wie viele Stecklinge kann ich aus einer Monstera nehmen?
Mehrere – solange die Mutterpflanze groß und gesund genug ist. Ich empfehle nie mehr als ein Drittel der Triebe auf einmal. Die Pflanze braucht danach etwas Zeit zum Erholen.
Ist der Pflanzensaft giftig?
Er reizt Haut und Schleimhäute (Calciumoxalat) – beim Schneiden Handschuhe tragen und Stecklinge außerhalb der Reichweite von Katzen und Kindern bewurzeln.
Über die Autorin: Jessica ist gelernte Floristin bei Wurzelwerk Design – 18 Jahre Erfahrung aus Baumschulen und Blumenfachgeschäften, spezialisiert auf Zimmerpflanzen und haustierfreundliches Grün. Mehr über Jessica →