10 luftreinigende Büropflanzen für ein besseres Raumklima

10 luftreinigende Büropflanzen für ein besseres Raumklima

Luftreinigende Pflanzen fürs Büro – was wirklich hilft und was übertrieben ist

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes richtiges Büro. Kein Fenster zu öffnen, Drucker der ganzen Etage im selben Raum, Teppichboden aus den Neunzigern. Nach ein paar Stunden hatte ich regelmäßig Kopfschmerzen, die ich damals auf Bildschirmarbeit geschoben habe. Heute weiß ich, dass ein Teil davon schlicht schlechte Luft war.

Seitdem stehen auf jedem Schreibtisch, an dem ich sitze, mindestens zwei Pflanzen. Ob das wirklich messbar die Luft verbessert oder vor allem das Wohlbefinden – ich finde, beides zählt.

Was luftreinigende Pflanzen wirklich leisten – und was nicht

Hier muss ich ehrlich sein, weil im Internet viel übertrieben wird. Die oft zitierte NASA-Studie aus den späten Achtzigerjahren hat tatsächlich gezeigt, dass bestimmte Pflanzen Schadstoffe wie Formaldehyd, Benzol, Xylol, Toluol und Trichlorethylen aus der Luft filtern können – in Laborversuchen teilweise um bis zu 90 Prozent innerhalb von 24 Stunden.

Das klingt eindrucksvoll, hat aber einen Haken: Die Versuche fanden in geschlossenen Kammern statt, nicht in echten Büros. Neuere Studien zeigen, dass man für eine messbare Wirkung auf die Raumluft deutlich mehr Pflanzen bräuchte, als in den meisten Büros stehen. Für einen typischen Arbeitsplatz werden zwei bis drei mittelgroße Pflanzen empfohlen – das ist ein guter Richtwert, aber kein Ersatz für regelmäßiges Lüften.

Was Pflanzen fürs Büro aber tatsächlich und nachweislich leisten: Sie erhöhen die Luftfeuchtigkeit, was bei trockener Heizungsluft im Winter spürbar hilft. Sie reduzieren Stress, senken nachweislich den Puls und verbessern die Stimmung. Studien zeigen, dass Menschen in begrünten Räumen konzentrierter arbeiten und sich wohler fühlen. Das allein ist für mich Grund genug.

Pflanzen fürs Büro – welche wirklich funktionieren

Einblatt – die Friedenslilie

Das Einblatt, auch Friedenslilie oder Spathiphyllum genannt, ist die Büropflanze schlechthin. Sie filtert laut NASA-Studie ein breites Spektrum an Schadstoffen – Benzol, Formaldehyd, Trichlorethylen, Xylol und sogar Ammoniak – und kommt dabei mit wenig Licht aus. Das macht sie zum Klassiker für Konferenzräume und Empfangsbereiche ohne direktes Sonnenlicht.

2007 wurde das Einblatt zur Büropflanze des Jahres gekürt, was zeigt, dass das kein neuer Trend ist. Was mich persönlich überzeugt: Sie zeigt durch hängende Blätter deutlich an, wenn sie Wasser braucht – man muss nicht raten.

Einen Hinweis sollte man kennen: Das Einblatt ist leicht giftig. Im normalen Büro ohne Haustiere und Kleinkinder kein Problem, aber es lohnt sich, die Pflanze nicht auf Greifhöhe zu stellen.

Luftreinigende Zimmerpflanzen für wenig Licht

Das ist die häufigste Frage, die ich zum Thema Büropflanzen bekomme: Was funktioniert, wenn kaum Licht da ist?

Sansevieria trifasciata – die Schwiegermutterzunge oder Bogenhanf – ist meine erste Empfehlung für dunkle Ecken. Sie toleriert tiefe Lichtverhältnisse, trockene Heizungsluft und unregelmäßiges Gießen besser als fast jede andere Pflanze. Eine Besonderheit: Im Gegensatz zu den meisten Pflanzen produziert Sansevieria trifasciata auch nachts Sauerstoff – ein Pluspunkt für Büros, in denen auch abends gearbeitet wird.

Dracaena marginata ist meine zweite Empfehlung für schwierige Lichtverhältnisse. Der Drachenbaum filtert Trichlorethylen, Xylol und Formaldehyd und eignet sich durch seinen aufrechten, schlanken Wuchs hervorragend als natürlicher Raumteiler zwischen Schreibtischen. Er toleriert Halbschatten gut und verzeiht gelegentliches Vergessen beim Gießen.

Scindapsus aureus – besser bekannt als Efeutute – ist die flexibelste der drei. Sie wächst in fast jedem Licht, hängt dekorativ von Regalen herab und filtert Benzol, Formaldehyd und Xylol aus der Raumluft. Für Hängeampeln oder hohe Schränke ist sie ideal. Die Blätter sind giftig, was im normalen Büro unproblematisch ist.

Goldfruchtpalme – der Luftbefeuchter

Die Goldfruchtpalme, auch Areca-Palme, ist meine Empfehlung für Empfangsbereiche und Lounges. Sie gibt durch ihre große Blattfläche viel Feuchtigkeit ab – messbar mehr als die meisten anderen Zimmerpflanzen – und filtert gleichzeitig Xylol und Toluol. Was sie von vielen anderen unterscheidet: Sie ist ungiftig, was sie für Büros mit Kundenverkehr oder Kindern zur richtigen Wahl macht.

Der einzige Nachteil: Sie braucht Platz und einen hellen Standort. In dunklen Innenbüros macht sie keine Freude, eignet sich aber in passenden Räumen hervorragend als Goldfruchtpalme für gesunde Raumluft.

Weitere Pflanzen, die ich empfehle

Aloe vera ist die unterschätzte Büropflanze. Sie absorbiert Formaldehyd und Benzol, setzt wie die Sansevieria nachts Sauerstoff frei und braucht dabei kaum Wasser. Für minimalistische, helle Schreibtische und für alle, die öfter auf Reisen sind, ist sie perfekt.

Ficus lyrata – die Geigenfeige – ist in den letzten Jahren zur Trendpflanze geworden, und das zu Recht. Ihre großen, geigenförmigen Blätter sind ein echter Hingucker, und sie filtert Formaldehyd effektiv. Sie braucht einen hellen, zugluftfreien Standort und reagiert empfindlich auf Standortwechsel – am besten einmal den richtigen Platz finden und dabei lassen, wenn man eine elegante Geigenfeige auf Stamm langfristig gesund halten möchte.

Grünlilie ist einer der verlässlichsten Luftverbesserer für Büros. Chlorophytum comosum filtert laut NASA-Studie Formaldehyd um fast 90 Prozent in 24 Stunden und erhöht die Luftfeuchtigkeit – wer auf Pflege verzichten möchte, kann alternativ auf eine Kunstpflanze Ficus Lyrata setzen. Sie ist nahezu unkaputtbar, ungiftig und bildet zahlreiche Ableger, die man auf weitere Büros verteilen kann – mein persönlicher Favorit für Teams, die ihre Büropflanzen selbst vermehren wollen.

Schwertfarn (Nephrolepis exaltata) empfehle ich besonders für Büroküchen und Teeküchen, wo die Luftfeuchtigkeit ohnehin schwankt. Er filtert Formaldehyd, Xylol und Toluol und liebt die höhere Luftfeuchtigkeit, die in Küchenräumen entsteht.

Was wirklich passiert, wenn Pflanzen ins Büro kommen

Ich habe das selbst beobachtet, und es gibt Studien, die das bestätigen: Der erste spürbare Effekt ist nicht die Luftqualität, sondern die Atmosphäre. Räume mit Grünpflanzen wirken weniger steril, Mitarbeiter fühlen sich wohler, und die Stimmung ändert sich messbar.

Der zweite Effekt kommt nach ein paar Wochen: Die Luftfeuchtigkeit steigt leicht, was sich besonders im Winter bei aufgedrehter Heizung bemerkbar macht. Trockene Augen, Kratzen im Hals, Kopfschmerzen am Nachmittag – all das reduziert sich, wenn genug Grünpflanzen im Raum stehen und verdunsten.

Ob die Schadstoffreduktion im normalen Büroalltag wirklich messbar ist, bleibt umstritten. Was nicht umstritten ist: Kohlenstoffdioxid wird durch Fotosynthese aufgenommen, Sauerstoff abgegeben. In lange besetzten Besprechungsräumen macht das einen Unterschied – und das merkt man an der Konzentration nach der zweiten Stunde Meeting.

Standort, Sicherheit und Pflege im Büroalltag

Büros haben andere Anforderungen als das Wohnzimmer oder Schlafzimmer zuhause. Ein paar Dinge, die ich für wichtig halte:

Licht zuerst einschätzen. Nordseite und Innenbüros ohne Fenster brauchen Sansevieria, Efeutute oder Drachenbaum. Südfenster und helle Bereiche vertragen Aloe vera, Grünlilie und Goldfruchtpalme. Wer die Lichtverhältnisse falsch einschätzt, hat keine Freude an der Pflanze – egal wie gut sie eigentlich ist.

Giftigkeit beachten. In Büros mit Haustieren oder Kinderbesuch ungiftige Arten wählen: Goldfruchtpalme, Schwertfarn und Grünlilie sind sichere Optionen. Sansevieria, Efeutute, Dracaena und Dieffenbachia sind giftig – im normalen Bürobetrieb unproblematisch, sollten aber nicht auf Greifhöhe stehen.

Pflegeroutinen im Team festlegen. Das ist der häufigste Grund, warum Büropflanzen eingehen: keine klare Zuständigkeit. Feste Gießtage – zum Beispiel montags und donnerstags – und eine namentlich verantwortliche Person machen den Unterschied. Überschusswasser aus Übertöpfen immer abgießen, Blätter gelegentlich abwischen, das verbessert die Luftreinigung und hält die Pflanzen widerstandsfähig.

Saisonal anpassen. Im Winter weniger gießen, im Sommer mehr. Heizungsluft trocknet Substrate schneller aus als man denkt – besonders bei kleineren Töpfen auf dem Schreibtisch.

Wie viele Pflanzen braucht ein Büro wirklich?

Als Richtwert gelten zwei bis drei mittelgroße Pflanzen pro Arbeitsplatz oder eine große XL-Pflanze, die einen kleinen Raum alleine aufwerten kann. Für ein Großraumbüro empfiehlt sich eine Kombination: XL-Pflanzen wie Drachenbaum oder Areca-Palme als Raumteiler und strukturgebende Elemente, kleinere Arten wie Sansevieria oder Efeutute auf den Schreibtischen.

Unterschiedliche Pflanzenarten filtern unterschiedliche Schadstoffe – Formaldehyd, Benzol, Xylol, Toluol, Trichlorethylen. Ein Mix aus mehreren Arten ist deshalb effektiver als viele Exemplare derselben Pflanze. Das ist auch ästhetisch die bessere Entscheidung: Abwechslung in Blattformen, Farben und Wuchshöhe macht einen Büroraum deutlich lebendiger.

Ein letzter Gedanke

Pflanzen fürs Büro sind keine Wundermittel, und wer das behauptet, übertreibt. Aber sie verbessern nachweislich die Atmosphäre, erhöhen die Luftfeuchtigkeit, reduzieren Stress und machen Räume angenehmer – das ist mehr als die meisten anderen Büroausgaben leisten.

Mein Einstiegstipp: Mit zwei oder drei robusten Arten beginnen, die zum tatsächlichen Lichtangebot passen. Sansevieria für dunkle Ecken, Efeutute für Regale, Grünlilie für den Schreibtisch. Wer das ein Jahr lang pflegt und beobachtet, weiß danach genau, was er als nächstes braucht.

Über den Autor: Christian Fech ist Gartenexperte, Gründer und Geschäftsführer von Wurzelwerk Design – seit über 20 Jahren im Garten- und Landschaftsbau. Mehr über Christian →

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